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Trainingsausfall 21.09.2026
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Die Rolle der Atemkontrolle XI
Erschienen in : Kendo World Magazine 3.3 2006
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
In der letzten Ausgabe habe ich damit begonnen, den taktischen Einsatz der Atemkontrolle zu untersuchen, und wir haben gesehen, welchen Vorteil die Fähigkeit, den Atemrhythmus des Gegners zu erkennen, im freien Üben oder im Shiai verschaffen kann. In dieser Ausgabe betrachte ich, wie Übende auf höchstem Niveau ihr Verständnis der Atmung – und der Beschränkungen, die diese der körperlichen Bewegung auferlegt – im Hin und Her des Seme-ai zu ihrem taktischen Vorteil nutzen, und beginne zugleich, die psychologischen Implikationen der Atemkontrolle zu betrachten.
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (X)
Erschienen in : Kendo World Magazine 3.2 2005
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
戦略 – Der taktische Einsatz der Atemkontrolle im Seme-ai
In der letzten Ausgabe habe ich untersucht, welche Rolle die Bauchatmungstechnik des Kendo bei der Ausführung gültiger Schläge spielt. In den vorangegangenen Ausgaben haben wir gesehen, dass Atemkontrolle ein wesentliches Element korrekter Körperhaltung, des Kamae und der Fußarbeit ist. Daraus folgt, dass eine mangelhafte Atemtechnik zu fehlerhafter Haltung, Bewegung und Schlagausführung führen kann – und all dies kann von einem Gegner im freien Üben taktisch ausgenutzt werden. In dieser Ausgabe möchte ich damit beginnen, die taktischen Implikationen zu betrachten, die mit der Atemtechnik des Kendo einhergehen.
Sommerferien 2026
Wir gehen auch dieses Jahr wieder in die Ferien-bedingte Sommerpause. Unser erstes Training nach den Ferien findet am 07.09.2023 statt. Die Kenshi in Recklinghausen trainieren auch dieses Jahr in den Ferien und freuen sich über Besuch.
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (IX)
Erschienen in : Kendo World Magazine 3.1 2004
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
In dieser Ausgabe setze ich die Untersuchung der Rolle der Atemkontrolle beim freien Üben fort – mit einem Blick auf das grundlegende Atmungsschema vor und während der Schlagausführung sowie auf die Bedeutung der Atemkontrolle im Kontext des gültigen Schlages (Yūkō Datotsu).
Grundlegendes Atmungsschema beim freien Üben
Das Schlagen und Stechen beim freien Üben im Kendo erfordert ein Atmungsschema, das dem Übenden erlaubt, jederzeit auf Bedrohungen und Gelegenheiten zu reagieren, die der Gegner bietet. Ein solches Schema muss leicht und fließend sein und wird auf vielfältige Weise angepasst, wenn das Shinai des Gegners als Antwort auf sein Seme geblockt, weggefegt oder festgehalten wird. Mitsuhashi beschreibt die Merkmale korrekter Atmung beim freien Üben folgendermaßen:
„Das Wesentliche ist sicherzustellen, dass der Übergang vom Einatmen zum Ausatmen und umgekehrt äußerst sanft erfolgt. Gleichzeitig darf man keine großen Atemzüge machen, sondern den Atem gleichsam schlucken, um sicherzustellen, dass stets genug Luft in den Lungen ist, um jederzeit einen Schlag ausführen zu können.“i
Mitsuhashi betont hier – wie bereits bei seiner grundlegenden Schlagausführungstheorie Ichi-byoshiii –, dass der Wechselpunkt zwischen Ein- und Ausatmen, also der Übergang vom Zustand des Kyo in den Zustand des Jitsu, für den Gegner nicht wahrnehmbar sein sollte. Auf dieser Stufe des freien Übens – anders als in Übungsformen wie Kakari-geiko, wo der Übende so viele Schläge hintereinander ohne Einatmen ausführt, bis der Atem vollständig verbraucht ist – muss der Übende seine Atmung so steuern, dass er jederzeit in der Lage ist, zu schlagen oder zu blocken.
Schlagausführung beim freien Üben
Wie wir gesehen haben, folgt das grundlegende Atmungsschema beim Suburi dem Muster Einatmen beim Ausholen – Ausatmen beim Herabschwingen – Anhalten beim Auftreffen. Dieses einfache Schema, das auf maximale Energie beim Schlagaufprall abzielt, gilt grundsätzlich auch für das freie Üben im Kendo. Anders als beim Uchikomi-geiko, wo Gelegenheiten, die dem Gegner in der schwachen Kyo-Phase des Atemschemas geboten werden, nicht genutzt werden, besteht beim freien Üben jedoch die Gefahr, beim Einatmen getroffen zu werden. Dies hat dazu geführt, dass verschiedene hochrangige Lehrer empfehlen, ohne vollständiges Ausatmen zu schlagen – was die Anzahl möglicher Schläge vor dem nächsten Einatmen maximiert und die dem Gegner gebotenen Angriffsgelegenheiten reduziert. Darauf werde ich später noch eingehen.
Gleichwohl gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass das Atemverhalten bei der Technikausführung im freien Üben – und insbesondere im Shiai – nicht immer mit dem grundlegenden Atmungsschema übereinstimmt. Professor Edo Kokichi von der Universität Kanazawa beobachtete in Experimenten die Atmung von Kendo-Studenten der Sporterziehung während Übungs-Shiai. Die erhobenen Daten zeigten, dass es bei der im Shiai typischen, äußerst schnellen Technikausführung – insbesondere bei Techniken mit vergleichsweise kleinen Bewegungen wie Kote – kaum Hinweise auf ein Ausatmen während des Schlages gab; Schläge wurden mit angehaltenem Atem oder sogar beim Einatmen ausgeführt. Bei der Analyse der als gültig gewerteten Schläge stellte sich ferner heraus, dass viele davon während der Einatmungsphase ausgeführt wurden. Edo interpretierte diese Daten wie folgt:
„In Sportarten wie Kendo, wo der Kampf in einem Wimpernschlag entschieden wird, muss man maximale Energie in kürzester Zeit einsetzen – daher kulminieren als gültig gewertete Techniken häufig in der Einatmungsphase.“iii
Es erscheint mir plausibel, dass ein Übender in der Lage sein mag, seine Atmung bei einer Kendo-Kata-Geschwindigkeit bewusst zu kontrollieren – beim unmittelbaren Reagieren auf die Bewegungen eines Gegners im modernen Shiai ist das jedoch eine ganz andere Sache. In der Tat scheint es dort nicht einmal nötig zu sein, wenn das einzige Ziel des Übenden darin besteht, einen Punkt zu erzielen. Edos Ergebnisse deuten für mich auf eine Tendenz im modernen Universitätskendo zu schnellen, oberflächlichen Techniken hin, deren einziger Zweck die Punkteerzielung im Shiai ist und die sich technisch weit von Kendos ursprünglichen Schwert-Schneideaktionen entfernt haben. Der Umstand, dass Techniken nicht mehr auf maximale Energie beim Schlagaufprall ausgelegt sind, veranschaulicht, dass das moderne Kendo – zumindest auf Universitätsniveau – zunehmend wettkampforientiert ist, auf Kosten seiner Verwurzelung in der kriegerischen Kultur. Mit anderen Worten: Edos Untersuchungen zeigen, was Kendo auf dieser Ebene geworden ist – nicht, was es sein sollte.
Gültige Schläge und Zwerchfellatmung
Im Verlauf meiner Untersuchung zur Atemkontrolle im Kendo habe ich wiederholt auf die Rolle der Zwerchfellatmung hingewiesen und darauf, dass diese Atemkontrollmethode in vielen Bereichen des Kendo auf unterschiedlichen Trainingsstufen anzutreffen ist. Ich denke, dass die Definition des gültigen Schlages (Yūkō Datotsu) die durchgängige Bedeutung der Zwerchfellatmung im Kendo treffend veranschaulicht. Für den Shiai ist ein gültiger Schlag folgendermaßen definiert:
„Ein mit voller Entschlossenheit und korrekter Körperhaltung (composed) ausgeführter Schlag, der einen vorgesehenen Trefferpunkt mit dem korrekten Teil des Shinai trifft, gefolgt von einem korrekten Nachführen des Schlages.“
Analysiert man die Elemente dieser Definition unter dem Gesichtspunkt der Atemkontrolle, ergibt sich Folgendes:
Ein wesentliches Element der „vollen Entschlossenheit“ – und zugleich jenes, das dem Shiai-Schiedsrichter am deutlichsten demonstriert werden muss – ist das Ausrufen, der Kiai. Wie wir gesehen haben, ist Kiai kein bedeutungsloser Schrei, sondern eine besondere Form des Ausatmens, die den Unterbauch stärkt und die Hüften in den Schlag einbezieht. Daraus ergibt sich eine enge Verbindung zwischen dem gültigen Schlag und der Zwerchfellatmung. Ishihara Tadami bringt dies auf den Punkt:
„Ausatmung erzeugt den gültigen Schlag – und da dieses Ausatmen durch das Ausrufen hervorgebracht wird, ist Kiai ein wesentlicher Bestandteil der Atemtechnik.“iv
Die für den gültigen Schlag geforderte „korrekte“ Haltung entspricht jener in vielen traditionellen japanischen Bewegungskünsten verbreiteten Haltung, die den Unterkörper gegenüber dem Oberkörper betont (Jokyo Kajitsu). In dieser Haltung fungiert das Tanden – der im Unterbauch gelegene Energiemittelpunkt – als Schwerpunkt nicht nur für Körper- und Fußbewegung, sondern für die Schlagausführung als Ganzes. Da die Rolle des Tanden untrennbar mit der Zwerchfellatmung verbunden ist, sind auch „korrekte Haltung“ im Kendo und Zwerchfellatmung eng miteinander verknüpft. Narazaki Masahiko (Hanshi 9. Dan) verdeutlicht den Zusammenhang zwischen voller Entschlossenheit und korrekter Haltung und unterstreicht die zentrale Rolle, die Zwerchfellatmung in beidem spielt:
„Die Definition des gültigen Schlages fordert, Kendo mit ‚voller Entschlossenheit‘ auszuführen – doch dieser Satz ist etwas abstrakt und schwer zu fassen. Um dies praktisch zu verwirklichen, heißt es, man müsse den Unterbauch stärken und die Atmung entwickeln – das Tanden aufbauen, bevor man ein Shinai in die Hand nimmt. Wer das tut, dem werden Hüften und Beine stabil – und er wird wahres Kendo machen.“v
Ein weiteres Element der Definition des gültigen Schlages ist Zanshin – jenen Begriff, den ich oben mit „composed“ wiedergegeben habe. Zanshin im Zusammenhang mit gültigen Schlägen wird im ZNKR-Wörterbuch als das Aufrechterhalten eines Zustandes von Aufmerksamkeit und Wachheit nach dem Schlag, für den Fall einer Gegenattacke des Gegners, definiert. Um sowohl die körperliche Fassung (Mi-gamae) als auch die geistige Fassung (Kokoro-gamae) zu bewahren, die nötig sind, um unmittelbar auf die Bewegungen des Gegners nach dem Schlag reagieren zu können, ist es wesentlich, dass die Atmung gleichmäßig und ruhig bleibt. Watanabe Shigeo schreibt zur Verbindung zwischen Zanshin und Atmung:
„Atmung spielt eine äußerst wichtige Rolle beim Ausdrücken von Zanshin gegenüber dem Gegner nach einem Schlag. Man darf die Atmung niemals abreißen lassen oder zulassen, dass Wille und körperliche Kraft nach dem Schlagen nachlassen. Man muss stets in der Lage sein, gleichmäßig zu atmen und dem Gegner mit Kraft zu begegnen.“vi
Mitsuhashi Shuzo erläutert in konkreten Begriffen die Atemmethode, die zum Erreichen von Zanshin erforderlich ist, und verdeutlicht zugleich den Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Fassung:
„Um Zanshin zu erreichen, ist es vor allem wichtig, sich unmittelbar nach dem Schlag sowohl körperlich als auch geistig zu entspannen. Wenn man beim Auftreffen den Atem angehalten hat, sollte man üben, sofort danach zur normalen Atmung – also zum Einatmen – zurückzukehren.“vii
Mit den obigen drei Punkten habe ich gezeigt, dass Kendos Atemmethode in drei wesentlichen Elementen der Definition des gültigen Schlages eine zentrale Rolle spielt. Alle drei Elemente enthalten – über die offensichtliche äußere Frage hinaus, ob ein Schlag körperlich getroffen hat – ein inneres psychologisches Element. Und ich vertrete die These, dass Atemkontrolle eine Schlüsselrolle bei der Vereinigung dieser äußeren und inneren Elemente im gesamten Kendo-Training spielt. Auf diesen Punkt werde ich in späteren Ausgaben ausführlicher eingehen.
In dieser Ausgabe habe ich die Rolle der Atemkontrolle bei der Technikausführung im freien Üben und im Shiai untersucht. In der nächsten Ausgabe werde ich weiter betrachten, wie das Verständnis von Atmung von hochrangigen Übenden im freien Üben und im Shiai taktisch eingesetzt werden kann.
i Mitsuhashi Shuzo, Fudōchi (Unmoveable Mind – The teachings of Mitsuhashi Shuzo), S. 142 (Übersetzung von Steven Harwood).
ii Siehe Ausgabe 4.
iii Kokyūhō de Kendo ga Kawaru, Kendo Japan Weekly Special Edition, Oktober 1992, S. 36–39 (Übersetzung von Steven Harwood).
iv Kendo Jidai, Dezember 1998, S. 36.
v Kokyūhō de Kendo ga Kawaru, Kendo Japan Weekly Special Edition, Oktober 1992, S. 33 (Übersetzung von Steven Harwood).
vi Watanabe Shigeo, Kendo no Rekishi to Tetsugaku, S. 25–26 (Übersetzung von Steven Harwood).
vii Mitsuhashi Shuzo, Fudōchi (Unmoveable Mind – The teachings of Mitsuhashi Shuzo), S. 147.
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (VIII)
Erschienen in : Kendo World Magazine 2.4 2004
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
Atemkontrolle bei Seme-ai
Bisher habe ich die Rolle der Atemkontrolle im Kontext von Suburi und einfachen Partnerübungen untersucht – Situationen, in denen man zwar einen anderen Kendoka schlägt, dieser jedoch nicht zurückschlägt oder versucht, die eigene Technik zu zerstören. Wir haben gesehen, dass Atemkontrolle in diesem Zusammenhang aufgrund ihrer Verknüpfung mit dem eigenen psychologischen und physiologischen Zustand von zentraler Bedeutung ist. Als Kampfkunst bedeutet Kendo jedoch letztlich das Kämpfen gegen einen Gegner – sei es im Ji-geiko (freies Üben) oder im Shiai – und das Überwinden der körperlichen wie mentalen Belastungen, die dabei entstehen. Das wechselseitige Spiel von Angriff und Verteidigung, das beidseitige Ausloten von Schwächen und Lücken, wird im Kendo als Seme-ai bezeichnet. In diesem Zusammenhang möchte ich in dieser Ausgabe die Atemtechnik im Kamae und beim Ausrufen erneut betrachten.
Kamae bei Seme-ai
Wenn man einem Gegner erstmals im Ji-geiko oder Shiai gegenübersteht, ist eine der größten Herausforderungen, die eigene Haltung und das Kamae aufrechtzuerhalten, um dem Gegner keine Angriffsgelegenheit – ein Suki – zu bieten. Da psychologischer und körperlicher Zustand zwei Seiten derselben Medaille sind, wirkt sich jeder Fehler in Haltung oder innerer Einstellung sowohl auf die körperliche als auch auf die geistige Fähigkeit aus, Kendo zu machen. Mit anderen Worten: Wer abgelenkt oder ängstlich ist, wird dies in einer Veränderung seiner Haltung zeigen. Umgekehrt verrät ein Fehler im körperlichen Kamae – dem Mi-gamae – einen Mangel an geistiger oder mentaler Bereitschaft zum Schlagen oder zur Antwort auf einen Angriff: einen Fehler im eigenen Kokoro-gamae.
Oya Minoru nimmt zur Verbindung zwischen Geist und Seele im Kamae folgendermaßen Stellung:
„Im Seme-ai tendiert der Atem dazu, aufzusteigen – man muss ihn daher mit der linken Hand in den Unterbauch zurückdrücken. Umgekehrt gilt: Wenn die linke Hand ziellos umherwandert, wird auch der Geist ins Schwanken geraten und der Atem aufsteigen, was dem Gegner eine körperliche Lücke offenbart.“i
Oya verwendet hier den Ausdruck „Atem steigt“ (iki ga agaru), der in der Alltagssprache selten vorkommt, im Kendo-Kontext jedoch häufig benutzt wird, um jenen Zustand zu beschreiben, in dem die Atmung von der Zwerchfellatmung zur Oberkörperatmung aufsteigt. Der Ausdruck schwingt zugleich mit, dass der Atem abgehackt wird und man in einen erregten, verwirrten Gemütszustand gerät. In Oyas Anweisung, den Atem am Aufsteigen zu hindern, indem man ihn mit der linken Hand herunterdrückt, lässt sich daher nicht nur die Beziehung zwischen Körperhaltung und Atmung erkennen, sondern auch die umfassendere Verknüpfung von Haltung, Atmung und psychologischem Zustand. Zwerchfellatmung spielt also auch auf dieser kämpferischen Stufe des Kendo-Trainings eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung sowohl psychologischer als auch körperlicher Stabilität.
Ausrufen bei Seme-ai
Anders als in den Grundübungen, wo das Ausrufen allein den eigenen Schlag beeinflusst, erstreckt sich die Wirkung des Kiai beim Eintritt in diese Phase des Kendo-Trainings auch auf den Gegner. Horigome Keizo (Hanshi 9. Dan) fasst die Wirkungen des Ausrufens im Seme-ai wie folgt zusammen:ii
- Stärkt den Geist.
- Befreit von Ablenkungen.
- Erzeugt innere Distanz und ermöglicht die Vereinigung von Seele, Geist und Technik.
- Schüchtert den Gegner ein.
- Schärft den Schlag.
In dieser Aufzählung fällt die Gewichtung des psychologischen Effekts des Kiai ins Auge – namentlich die Schärfung von Konzentration und Aufmerksamkeit. Darüber hinaus lässt sich in Horigomes Liste eine Verbindung zwischen dem Ausrufen und der bereits erörterten Notwendigkeit erkennen, den Unterbauch anzuspannen, um den physiologischen Zustand des Jitsu zu erhalten, aus dem heraus man jederzeit eine Technik ausführen kann. Insbesondere der erste Punkt – „Stärkt den Geist“ – ist der psychologische Partner der physiologischen Bereitschaft und mündet in jenen ganzheitlichen Zustand des Jitsu, in dem psychologische und körperliche Elemente sich vereinen.iii
Phonetik bei Seme-ai
Im freien Üben und im Shiai ist es üblich, dass beide Kontrahenten unmittelbar nach dem Aufrichten aus dem Sonkyo Kiai machen – dieses Ausrufen vor dem Schlag wird als Kakegoe bezeichnet (wörtlich: „die Stimme ausdehnen“). Im modernen Kendo ist der Laut des Kakegoe nicht festgelegt; am gebräuchlichsten ist jedoch „Yah!“ – ein Kiai, der, wie wir bei der Untersuchung der Phonetik des Ausrufens gesehen haben, den Unterbauch vergleichsweise wenig stärkt. Dies erscheint jedoch zweckmäßig: Im freien Üben muss man sich jederzeit frei bewegen können und sofort auf eine Öffnung des Gegners schlagen oder auf seine Initiative reagieren können. Ein Kiai wie „Toh!“, der zwar im Moment der Technikausführung die größte Kraft erzeugt, aber den Nachteil hat, den Unterbauch kurzzeitig anzuspannen und damit die freie Bewegung zu erschweren, eignet sich daher nicht als Eröffnungsruf. Der Effekt von „Yah!“ besteht in atemtechnischer Hinsicht darin, durch partielles Ausatmen den Unterbauch anzuspannen und einen starken physiologischen Zustand zu erreichen – die Fähigkeit, ohne vorheriges Einatmen schlagen zu können.iv
Es gibt freilich Möglichkeiten, das Ausrufen je nach Situation anzupassen. Takano Sasaburo schrieb dazu:
„Kakegoe sollte auf natürliche Weise entstehen – doch es gibt Situationen, in denen es nicht gleichzeitig mit der Bewegung auftritt. Es kann der Bewegung vorangehen, ihr folgen oder gänzlich zurückgehalten werden.“v
Takano beschrieb darüber hinaus „drei Stimmen“: Iyah!, Eii! und Toh!:
„Iyah! ist geeignet, das eigene Blut zum Kochen zu bringen – es demonstriert die Vollkommenheit körperlicher Bereitschaft, unterbricht den Geist des Gegners und ermöglicht es, mit der Stimme die Initiative zu ergreifen.“vi
In der „Vollkommenheit der Bereitschaft“ erkennen wir den Bezug zum Konzept des Jitsu, bei dem das Ausrufen den Unterbauch anspannt. Das „Yah!“ des modernen Kendo entspricht in seiner Funktion Takanos „Iyah!“ – in beiden Fällen wird das Ausrufen eingesetzt, um das eigene körperliche Kamae zu stärken, während man den Gegner herausfordert, und den eigenen Geist zu festigen, während man den des Gegners zu überwältigen sucht.
Takanos Eii! beschreibt er als jenes Ausrufen, mit dem man „dem Gegner mit voller Überzeugung gegenübertritt, sich selbstsicher bewegt und ihn bedroht“. Wie bereits erörtert, gilt das „e“ als Laut, bei dem der Unterbauch vergleichsweise stark angespannt ist – dieser Kiai eignet sich daher besonders für jene Situation, in der man mit dem Gegner die Shinai gekreuzt hat und sowohl körperlich als auch mental jederzeit zum Schlagen bereit sein muss.
Takanos Toh! schließlich beschreibt er als Kiai zum Blocken einer Technik oder zu deren Niederschlagen (Kiri-otoshi) – also für jene Situationen, in denen man seine gesamte Kraft in den Schlag legt. Da das moderne Kendo das Benennen der Zielfläche beim Schlagen vorschreibt, entspricht dies nicht unmittelbar Takanos Lehre; gleichwohl ist sein Toh!-Kiai noch in der Kendo-Kata erhalten, wo es von Shidachi (der siegreichen Seite) verwendet wird. Auf die Atemkontrolle in der Kendo-Kata werde ich in einer späteren Ausgabe eingehen.
Stimmloses Keiko
Wir haben gesehen, dass das Ausrufen vor dem Schlag – sei es das „Yah!“ des modernen Kendo oder Takanos „Iyah!“ und „Eii!“ – vielfältige körperliche und psychologische Wirkungen entfaltet. Dennoch gibt es hochrangige Übende, die in ihren späteren Kendo-Jahren auf das Ausrufen während des Trainings gänzlich verzichten. Ishihara Tadami (Hanshi 9. Dan) erläuterte sein „stimmloses Keiko“ so:
„Ich habe allein durch Kakegoe Schweiß vergossen – habe Energie verbraucht. So kam ich auf den Gedanken, dass ich, wenn ich damit aufhörte, eine Energiereserve aufbauen könnte.“vii
Horigome Hanshi greift dieses Thema ebenfalls auf und stellt fest, dass viele hochrangige Übende das Ausrufen mit zunehmendem Alter einstellen. Er erklärt jedoch, dass dies nur deshalb wirksam ist, weil alle Vorteile, die ein Anfänger durch lautes Kiai erlangt, im Kendo dieser Übenden bereits verinnerlicht sind.viii Mit anderen Worten: Hochrangige Übende erzielen durch das Anspannen des Unterbauchs und korrekte Atemtechnik dieselben psychologischen und körperlichen Wirkungen, die ein Übender auf niedrigerem Niveau durch das Ausrufen erreicht. Der Umstand, dass hochrangige Übende auf das Ausrufen verzichten können, verweist damit umgekehrt auf dessen Bedeutung für Übende auf mittlerem und unterem Niveau, um jene Wirkungen zu erzielen.
In dieser Ausgabe habe ich begonnen, die Atemkontrolle beim freien Üben zu analysieren. In der nächsten Ausgabe werde ich weiter untersuchen, wie Atemkontrolle in dieser dynamischeren Umgebung eingesetzt wird – und dabei insbesondere ihre Rolle bei der Ausführung eines gültigen Schlages beleuchten.
i Kendo ni Okeru Kokyūhō no Shomondai, S. 22 (Übersetzung von Steven Harwood).
ii „Shijō Kōwa“, Fortsetzungsinterview in: Kendo Jidai, November 1998, S. 47 (Übersetzung von Steven Harwood).
iii Shin-ki-ryoku-itchi.
iv Ein Zustand des Tameki.
v Takano Sasaburo, Kendo, S. 122 (Übersetzung von Steven Harwood).
vi Takano Sasaburo, Kendo, S. 123 (Übersetzung von Steven Harwood).
vii Kendo Jidai, November 1998, S. 43.
viii Kendo Jidai, November 1998, S. 47.
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (VII)
Erschienen in : Kendo World Magazine 2.3 2004
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
In dieser Ausgabe möchte ich die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle im Kendo untersuchen. Außerhalb Japans wird das beim Kendo auftretende Ausrufen gemeinhin als Kiai bezeichnet; im Japanischen selbst wird es je nach Situation mit einer Reihe unterschiedlicher Begriffe bezeichnet, darunter Kiai, Kakegoe, Hassei und Koshō. Zwar bestehen offenkundige Parallelen zwischen Kendo und bestimmten modernen Sportarten wie Gewichtheben oder Speer- und Hammerwurf, in denen Ausrufen ebenfalls zur Krafterzeugung eingesetzt wird. Dennoch scheinen das bewusste Ausrufen vor der Technikausführung (Kakegoe) und das Benennen des Ziels im Moment des Schlages (Koshō) charakteristische Besonderheiten des Kendo zu sein. Da Kiai zudem Bestandteil eines gültigen Schlages ist, stellt das Ausrufen ein unverzichtbares Element der Kendo-Technik dar – eine Anforderung, die in den genannten modernen Sportarten in dieser Form nicht besteht.
Die Rolle des Ausrufens
Um die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle zu verstehen, muss zunächst die Rolle des Ausrufens selbst geklärt werden. Aus den Schriften Takano Sasaburos geht hervor, dass mit dem Ausrufen sowohl physiologische als auch psychologische Wirkungen angestrebt werden:
„Durch Ausrufen festigt man seinen Mut und verleiht den Schlägen Kraft; man schüchtert den Gegner ein und unterbindet seine Schwertbewegungen. Durch Ausrufen kann man das Bewusstsein schärfen und die geistige Kraft von Körper und Seele stärken.“i
Der kürzlich verstorbene Komorizono Masao (Hanshi 9. Dan, Professor an der Internationalen Budo-Universität) schreibt in ähnlichem Sinne:
„Ausrufen und die Entfaltung von Geist und Technik sind eng miteinander verbunden. Wer mit vollständig vereinter Seele, Geist und Technikii schlägt, wird ganz natürlich ausrufen. Ausrufen ist mit anderen Worten ein Kanal für geistige Energie … Durch Ausrufen lassen sich Seele, Geist und Technik vereinigen und vervielfachen.“iii
Das Ausrufen im Kendo zielt also darauf ab, sowohl körperlichen als auch psychologischen Wandel hervorzurufen – was vollständig mit der ganzheitlichen Konzeption der Kendo-Technik übereinstimmt. Im Folgenden möchte ich mich jedoch auf die Auswirkungen des bewussten Ausrufens auf den körperlichen Aspekt der Technikausführung beschränken.
Ausrufen und Atemkontrolle
Wie wir gesehen haben, war Mitsuhashi Shuzo besorgt, dass Anfänger dazu neigen, sich zu stark auf das Einatmen zu konzentrieren, und betonte daher nachdrücklich das Ausatmen während der grundlegenden Übungsformen Suburi, Kiri-kaeshi, Kakari-geiko und Uchikomi. Es liegt daher nahe, dass eines der Ziele beim Ausrufen von „Men! / Kote! / Dō! / Tsuki!“ sicherzustellen ist, dass man beim Schlagen tatsächlich ausatmet. Morita Monjuro beleuchtet diesen Zusammenhang zwischen Technikausführung und Ausrufen:
„Man darf beim Schlagen nicht von Anfang bis Ende einatmen, sonst verliert man die Kraft im Unterbauch (Tanden). Es ist wichtig, beim Schlagen auszuatmen – und Ausrufen ist ein Weg, das zu erreichen.“iv
Morita entwirft das Ausrufen also als eine Methode, die sicherstellt, dass man bei der Technikausführung nicht einatmet. Die Schriften Takano Sasaburos – eines der einflussreichsten Begründer des modernen Kendo – stützen diesen Gedanken:
„Anfänger müssen in der Lage sein, natürlich auszurufen – daher sollten sie beim Schlagen laut und mit Vitalität ausrufen.“v
Diese Aussage gewinnt an Gewicht, wenn man bedenkt, dass Takanos eigenes klassisches System – die Ittō-ryū – kein Kiai verwendete und auch die von ihm entwickelte Gо̄ Gyō no Kata, die auf der Ittō-ryū basiert und die moderne Kendo-Kata wesentlich beeinflusste, kein Ausrufen enthält. Es liegt daher nahe, dass die Anforderung zu Ausrufen, insbesondere auf Anfängerstufe, gezielt in das moderne Kendo eingeführt wurde, um korrekte Atemkontrolle bei der Technikausführung zu lehren.
Kiai aus dem Bauch
Kiai beim Schlagen ist keine bloße Frage von Lautstärke oder Dauer. Gefordert ist vielmehr eine besondere Art des Ausrufens, die den Schlag verstärkt. Komorizono Masao lehrte dazu:
„Der Ruf beim Schlagen muss klar, straff, kurz und scharf sein. Es genügt nicht, einfach den Mund weit zu öffnen und den gesamten Atem auszustoßen.“vi
Wie wir gesehen haben, wird maximale Schlagkraft nicht beim Ausatmen erzeugt, sondern in dem Moment, in dem der Atem kurz angehalten wird. Die Kendo-Methode des Ausrufens spiegelt dies wider. Oft heißt es, das Ausrufen solle „aus dem Bauch kommen“ – doch ich halte es für treffender und aufschlussreicher zu sagen, dass das Ausrufen in den Bauch gestopft werden sollte. Enomoto Shoji von der Universität Nanzan erläutert dies anschaulich:
„Wenn ein Sänger singt, flackert die Flamme einer Kerze, die direkt vor seinem Mund gehalten wird, nicht … Obwohl er ruft, stößt er die Luft nicht kräftig aus, und die Flamme bleibt unberührt. Das Ausrufen im Kendo gleicht dem … Wenn man ruft, sollte man den Unterbauch stärken, um die körperliche und geistige Energie zu steigern.“vii
Der Effekt eines kurzen, scharfen Ausrufens sollte also nicht eine nach außen gerichtete Projektion der Stimme sein, sondern vielmehr eine nach innen gerichtete Projektion von Energie in den Unterbauch. Dies lässt sich mit den kurzen, scharfen Rufen vergleichen, die Gewichtheber beim Stemmen einsetzen: Sie nutzen das Ausrufen, um die gesamte Körpermuskulatur anzuspannen und dadurch den Druck in der Bauchhöhle für einen Moment maximaler Kraftentfaltung zu steigern.viii
Diese Form der Atemkontrolle durch Ausrufen lässt sich auch im modernen Karate deutlich beobachten. Dort sollte der gesamte Körper bis zum Moment des Auftreffens entspannt sein – beim Kontakt jedoch werden durch einen kurzen, scharfen Kiai sämtliche Körpermuskeln für einen Moment angespannt, was maximale Kraft erzeugt. Der Umstand, dass der Knoten des Obi – des Gürtels, der unterhalb des Bauchnabels gebunden wird – beim Kiai nach vorne geht, verdeutlicht, dass der Fokus dieser Krafterzeugung auf dem Unterbauch liegt.
Da Mitsuhashi Shuzo betont, dass maximale Energie durch das kurze Anhalten des Atems in Verbindung mit der Anspannung des Unterbauchs erzeugt wird, sollte man im Kendo aus einem Zustand muskulärer Entspannung heraus durch das Ausrufen in den Unterbauch ausatmen und dann durch das kurze Anhalten des Atems den Unterbauch anspannen, um maximale Schlagkraft zu entfalten.
Qualität vor Quantität
Das Ausrufen im Kendo ist also keine bloße Frage des Volumens. Ebenso bedeutsam – und eng damit verbunden – ist die phonetische Qualität des Kiai: wie er klingt. Sato Sadao (Hanshi 9. Dan, Professor an der Universität Tamagawa) schrieb dazu:
„Betrachten wir den Klang des Kiai, so neigt bei solchen, die auf ‚a‘ enden, die Kraft zur Zerstreuung; bei jenen hingegen, die auf ‚i‘, ‚u‘ oder ‚o‘ enden, bleibt die Kraft erhalten.“ix
Enomoto Shoji schreibt dazu ergänzend:
„Wenn man mit zusammengezogenen Stimmbändern die Vokale in der Reihenfolge a-, i-, u-, e-, o- ausspricht, wird man vielleicht bemerken, dass der Fokus der Anspannung dabei allmählich tiefer sinkt: Bei ‚a‘ liegt die Kraft im Bereich zwischen den Augen, bei ‚o‘ im Bauch.“x
Die Phonetik des Ausrufens im Kendo wird freilich durch die Anforderung bestimmt, das Zielgebiet beim Schlagen zu benennen: Men!, Kote!, Dō!, Tsuki!. Im Licht von Satos und Enomotos Beobachtungen scheinen insbesondere „Kote!“ und möglicherweise auch „Men!“ phonetisch schwächere Ausrufe zu sein, bei denen die erzeugte Kraft zur Zerstreuung neigt. Dennoch ist auch zu bedenken, an welchem Punkt des Ausrufens der Schlagkontakt erfolgt. Beim Kiai „Men!“ etwa: Trifft der Schlag auf dem „Me“ oder auf dem „n“? In der letzten Ausgabe habe ich Sato Ukichis Erklärung der A-Un-Atmung im Kontext einfacher Schlagmuster betrachtet. Dabei haben wir gesehen, dass bei der A-Un-Atmung die maximale Schlagkraft auf „Un“ entsteht – jenem Moment des kurzen Atemanhaltens, der die Einheit von Geist, Schwert und Körper (Ki-ken-tai no Itchi) herbeiführt. Der Schlagkontakt sollte demnach auf dem „n“ von „Men!“ fallen. Ebenso sollte bei „Kote!“ der Kontakt auf dem kraftvollen „Ko“ liegen und nicht auf dem vergleichsweise schwachen „te“.
In dieser Ausgabe habe ich die Verbindung zwischen Ausrufen und Atemkontrolle im Kontext der einfachen Schlagaktion im Kendo beleuchtet. Was für nicht-japanische Übende oft ein Bereich der Skepsis – oder vielleicht auch der Befangenheit – ist, erweist sich bei näherer Betrachtung als vielschichtig: Die Anforderung, Kiai zu machen, verfolgt mehrere Ziele. In seiner grundlegendsten Funktion stellt es sicher, dass der Kendoka beim Schlagen ausatmet. Darüber hinaus tragen die gerichteten und phonetischen Qualitäten des Ausrufens dazu bei, dass der Energiefokus im Unterbauch bleibt und damit der gesamte Körper zur Krafterzeugung beiträgt. Und schließlich haben wir gesehen, dass die genaue Wahl des Ausrufzeitpunkts entscheidend dafür ist, dass der Schlagkontakt genau in jenem Moment erfolgt, in dem die Atmung stoppt – womit Atem- und Schlagsteuerung an diesem kritischen Punkt des Energiekreislaufs synchronisiert werden.
In der nächsten Ausgabe werde ich untersuchen, was mit der Atemkontrolle geschieht, wenn man ihr im Angesicht eines Gegners im Seme-ai in der Praxis begegnet.
i Takano Sasaburo, Kendo, S. 122 (Übersetzung von Steven Harwood).
ii Shin-Ki-Ryoku no Itchi.
iii Rei Dan Ji Chi – A Record of Komorizono Masao’s Kendo Teachings, hrsg. von Oya Minoru, S. 84 (Übersetzung von Steven Harwood).
iv Morita Monjuro, Koshi to Tanden de Okonau Kendo, S. 36 (Übersetzung von Steven Harwood).
v Takano Sasaburo, Kendo, S. 123 (Übersetzung von Steven Harwood).
vi Rei Dan Ji Chi – A Record of Komorizono Masao’s Kendo Teachings, hrsg. von Oya Minoru, S. 86 (Übersetzung von Steven Harwood).
vii Enomoto Shoji, Ki wo takameru dake de wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Nicht nur eine Steigerung von Ki – die unerwarteten Effekte von Kiai), in: Kendo Monthly, März 2000, S. 43 (Übersetzung von Steven Harwood).
viii Vgl. Endnote 11 in Kendo World, Ausgabe 4, S. 52.
ix Sato Sadao, Watakushi no Kendo Shūgyō, S. 77 (Übersetzung von Steven Harwood).
x Enomoto Shoji, Ki wo takameru dake de wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Nicht nur eine Steigerung von Ki – die unerwarteten Effekte von Kiai), in: Kendo Monthly, März 2000, S. 43 (Übersetzung von Steven Harwood).
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (VI)
Erschienen in : Kendo World Magazine 2.2 2003
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
In dieser Ausgabe möchte ich die Übungsformen Kiri-kaeshi und Kakari-geiko im Zusammenhang mit der Atemkontrolle betrachten – und insbesondere verfolgen, was mit dem grundlegenden Atmungsschema, das im Kontext der einfachen Schlagübungen (Suburi) erarbeitet wurde, in diesen weit dynamischeren Trainingsmethoden geschieht.
Kiri-kaeshi
Kiri-kaeshi – auch als Uchi-kaeshi bekannt – wurde als Bestandteil der modernen Uchikomi-geiko-Trainingsmethode entwickelt,i die jene Übungsformen umfasst, bei denen Schläge auf vorgegebene oder vom Partner freigegebene Ziele ausgeführt werden, einschließlich Kakari-geiko. Kiri-kaeshi gilt als unverzichtbares Trainingselement für Anfänger wie für fortgeschrittene Übende, wird heute jedoch häufig lediglich als Kombination aus geraden Men-Schlägen und wiederholten Schlägen auf die linke und rechte Seite des Men (Sayu-Men) beschrieben – ohne dass Atemkontrolle Erwähnung findet.ii Dabei reicht der Nutzen von Uchikomi-geiko weit über die rein körperliche Technikausführung hinaus. Die Hokushin-Ittō-ryūiii nennt folgende zehn Vorzüge, die durch Uchikomi-geiko ausgebildet werden:iv
- Geschwindigkeit und Intensität der Schläge nehmen zu.
- Die Stärke der Schläge steigt.
- Die Atmung wird kontrollierter und gleichmäßiger.
- Die Armbewegungen werden freier.
- Der gesamte Körper wird entspannter und flexibler.
- Die Fähigkeit zur Handhabung des Schwertes verbessert sich.
- Der Unterbauch wird stabiler, was in einer guten Körperhaltung resultiert.
- Man beginnt, Schlaggelegenheiten zu erkennen.
- Das Verständnis für Ma-ai – die korrekte Schlagdistanz – wird geschärft.
- Der Schwertgriff wird leichter, die Aktionen schärfer.
In dieser Liste sind es die Punkte 3 und 7, die unmittelbar mit dem bisher untersuchten Thema der Atemkontrolle in Verbindung stehen. Mitsuhashi Shuzo kommentiert dazu:
„Uchi-kaeshi muss mit Ki-ken-tai no Itchi ausgeführt werden. Entscheidend ist daher, es mit ganzer Seele zu vollziehen; die Muskeln zu entspannen, indem man den Unterbauch anspannt; sich aus den Hüften heraus zu bewegen; Körperbewegung und Schlagaktion zu synchronisieren – und das alles rhythmisch.“v
Auch hier erwähnt Mitsuhashi Atemkontrolle beim Kiri-kaeshi nicht ausdrücklich – doch die Praxis, den Unterbauch anzuspannen und dadurch den Oberkörper zu entspannen, den Unterkörper zum Bewegungszentrum zu machen, sind allesamt wesentliche Elemente für das Schlagen mit Ki-ken-tai no Itchi (der Einheit von Geist, Schwert und Körper) und stehen in engem Zusammenhang mit der Zwerchfellatmung, die wir bereits untersucht haben.
Darüber hinaus gibt es Stimmen, die im Kiri-kaeshi ein ausdrückliches Ziel korrekter Atemschulung sehen. Ogawa Chutaro schreibt:
„Was ich in erster Linie lehre, ist Atemkontrolle … und der beste Weg, sie zu unterweisen, ist durch Kiri-kaeshi und Kakari-geiko. Man sollte nicht versuchen, mit großer Fertigkeit zu treffen – man soll einfach große Schnitte mit dem ganzen Körper machen. Ehe man es merkt, wird sich die Atmung von selbst verbessern.“vi
Ogawa lehrt, dass man im geschützten Rahmen des Kiri-kaeshi – der Gegenüber schlägt nicht zurück – die Gelegenheit hat, Techniken grundlagentreu zu üben, und dass dies eine Weise ist, Atemkontrolle zu entwickeln. Diese Vorstellung, dass Atmung und körperliche Bewegung untrennbar verbunden sind, erinnert stark an Mitsuhashis Konzeptualisierung des Suburi (siehe letzte Ausgabe). Das beim Kiri-kaeshi gelehrte Atmungsmuster scheint jedoch anders zu sein, wie Baba deutlich macht:
„Beim Kiri-kaeshi sollte man nicht viele Atemzüge machen. Man soll es in einem einzigen Atemzug absolvieren und so die Ausdauer steigern. Es ist hart – aber man muss es durchhalten.“vii
Baba belehrt uns also, beim Kiri-kaeshi nicht bei jedem Ausholen einzuatmen, sondern die gesamte Übung in einem Atemzug zu vollenden. Das dabei gelehrte Atmungsmuster lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
- Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und tief einatmen.
- Diesen Atem in den Unterbauch hinunterdrücken.
- Mit dem Ki-ai „Yah!“ (Kakegoe) vorrücken und Men schlagen, ohne erneut einzuatmen.
Alternativ – als Variante zu den Schritten 1 bis 3:
- Chūdan no Kamae einnehmen.
- Mit dem Ki-ai „Yah!“ vorrücken.
- Beim Ausholen einatmen und Men schlagen.
- Vom Tai-atari aus vier Sayu-Men vorwärts und fünf rückwärts schlagen, ohne einzuatmen.
- Wieder Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und, ohne einzuatmen, erneut Men schlagen.
- Im Tai-atari kurz einatmen.
- Vom Tai-atari aus vier Sayu-Men vorwärts und fünf rückwärts schlagen, ohne einzuatmen.
- Wieder Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und, ohne einzuatmen, den abschließenden Men schlagen.
Obwohl man den abschließenden Men idealerweise ohne vorheriges Einatmen ausführen sollte, da dieser Schlag besondere Energie erfordert, empfehlen einige Lehrer, lieber vorher einzuatmen, als die Qualität des Schlages zu gefährden. In jedem Fall gerät man beim Kiri-kaeshi rasch außer Atem, da bei jedem Schlag Ki-ai „Men!“ gemacht – und damit ein wenig ausgeatmet – werden sollte. Sumi Masatake (Kyoshi 8. Dan) von der Universität Fukuoka legt großen Wert darauf, den durch diesen Atemdruck entstehenden Schwierigkeiten standzuhalten:
„Ich muss betonen, dass der Wert des Kiri-kaeshi als Trainingsmethode darin liegt, die Fähigkeit zu entwickeln, auch dann noch einen weiteren Schlag herauszuholen – und dann noch einen –, wenn man sich bereits außer Atem fühlt.“viii
Darin lässt sich, so meine ich, eine Widerspiegelung der Lehre der Hokushin-Ittō-ryū über die Vorzüge des Uchikomi-geiko im modernen Kendo erkennen.
Wenn das Atmungsmuster beim Kiri-kaeshi also von jenem des einfachen Suburi abweicht – insofern, als man der Versuchung einzuatmen so lange wie möglich widersteht, während man Mehrfachschläge ausführt –, stellt sich die Frage: Warum? Im Folgenden möchte ich genauer betrachten, worauf diese Atemmethode abzielt.
Baba lehrt, dass es beim Kiri-kaeshi, da es die Wiederholung von Mehrfachtechniken erfordert, wesentlich ist zu üben, nicht außer Atem zu kommen:
„Im Kiri-kaeshi muss man den Gegenüber vom Tai-atari aus schonungslos verfolgen. Kiri-kaeshi kann daher als eine Methode betrachtet werden, zu lernen, wie man den Körper beim Ausführen von Renzoku-waza (Mehrfachtechniken) einsetzt … Es gibt Menschen, die nur einen einzigen Schlag ausführen können – ihr eigentliches Problem ist vielleicht, dass sie außer Atem geraten.“ix
Obwohl Baba hier die Bedeutung des körperlichen Wechsels von links nach rechts, von einem Hieb zum nächsten, hervorhebt, stellt er fest, dass es die Atemkontrolle ist, die diesen Wechsel fließend macht.x Wie wir in der letzten Ausgabe gesehen haben, wird eine einzelne Technik durch das Schema Einatmen – Ausatmen – Anhalten gegliedert. Würde man in der Mitte einer Technik einatmen, käme diese gewissermaßen zum Erliegen; man verlöre den Schwung und wechselte vom wirksamen Zustand des Jitsu in den kraftlosen Zustand des Kyo. Die Aufrechterhaltung von Schwung und Atemkontrolle sind daher untrennbar verbunden – und beim Ausführen einer Technik, die mehrere Schläge umfasst, ist es wesentlich, der Versuchung einzuatmen zu widerstehen und die Technik in einem einzigen Atemzug abzuschließen.
Ein weiterer physiologischer Aspekt des Kiri-kaeshi-in-einem-Atemzug betrifft die Anforderung, die Übung auf gleichbleibender Höhe auszuführen, ohne auf und ab zu ruckeln. Wie ich später noch ausführen werde, neigt der Körper dazu, sich beim Einatmen aufzurichten und sich beim Ausatmen zu senken. Kommt diese atembedingte Tendenz zu dem unvermeidlichen Heben und Senken der Arme beim Schlagen hinzu, kann der Vorwärtsimpuls der Technik leicht unterbrochen werden – und vom Gegner erkannt werden. Daher ist es am besten, Kiri-kaeshi in einem einzigen Atemzug durchzuführen. Natürlich gibt es dabei Grenzen. Mein eigener Lehrer verdeutlichte den Wert dieser Selbstschulung jedoch mit einem einprägsamen Wortspiel: Wenn man der Versuchung widerstehe, in der Mitte von Kiri-kaeshi oder Kakari-geiko einzuatmen – so hart es auch sei –, werde man am Ende einen neuen Atem in sich geboren fühlen: Ikioi – eine Verdoppelung von Vitalität und Schwung.xi Eine ähnliche Logik findet sich in der Lehre der Ittō-ryū über Sutemi und Zanshin: Wer sich rückhaltlos in eine Technik wirft, ohne etwas in Reserve zu halten, dem – so behauptet die Ittō-ryū – wächst ein neues Bewusstsein, das ihn befähigt, mit allem fertig zu werden, was nach dem Angriff folgt. Anstatt das Bewusstsein zurückzuhalten, bleibt es von selbst zurück: Zanshin. Die japanischen Begriffe, die ich hier verwende, sind dabei wesentlich: Ikioi (Vitalität/Schwung) und Zanshin (Bewusstsein/Selbstbeherrschung) vereinen jeweils physiologische und psychologische Aspekte in sich. Wer also rückhaltlos schlägt, ohne Bedenken oder Atem in Reserve zu halten, wird nicht nur eine körperliche Verbesserung seines Kendo erfahren, sondern auch einen psychologischen Wandel.
Es gibt Stimmen, die Atemkontrolle in diesen grundlegenden Übungsformen zu etwas erheben, das Meditation oder Yoga vergleichbar ist – Praktiken, die ebenfalls auf einen Wandel des psychologischen Zustands abzielen.xii Kendo-Größen wie Takano Sasaburo lehrten, dass ein bestimmter, konzentrierter psychologischer Zustand nötig sei, um Kiri-kaeshi wirklich korrekt auszuführen.xiii Und es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der Einsatz von Kiai – der als Teil der Atemkontrolle in der Kendo-Methodik angesehen werden kann – während des Kiri-kaeshi erheblich zu jenem psychologischen Zustand beiträgt, den Takano beschrieben hat.xiv
i Kendo Jiten, S. 30.
ii Japanese-English Dictionary of Kendo.
iii Ein Zweig der Ittō-ryū – ein klassisches Schwertsystem, das bei der Entstehung des modernen Kendo von großem Einfluss war.
iv Uchikomi no Jutoku, in: Japanese-English Dictionary of Kendo.
v Mitsuhashi Shuzo, Fudōchi (Unmoveable Mind – The teachings of Mitsuhashi Shuzo), S. 367–368.
vi Ogawa Chutaro, Kendō Kōwa (Kendo Lectures) (Übersetzung von Steven Harwood). Anmerkung: Der kürzlich verstorbene Ogawa Hanshi (9. Dan) war nicht nur für sein Kendo bekannt – geprägt durch die Lehre legendärer Vorkriegsmeister und lebenslange intensive Übung –, sondern auch für seine tiefe Verbundenheit mit dem Zen-Buddhismus und der Jiki-Shinkage-ryū, einer klassischen Schwertkunstform, die Atemkontrolle besonders betont. Es ist daher kaum verwunderlich, dass er der Atemkontrolle im modernen Kendo besonderes Gewicht beimisst.
vii Baba Kinji, Kendo – Dentō no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood), S. 70.
viii Sumi Masatake, Nendai Betsu Keiko Hō – Michi no Kaori (Übersetzung von Steven Harwood), S. 86–87.
ix Baba Kinji, Kendo – Dentō no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood), S. 70.
x In der letzten Ausgabe haben wir Mitsuhashis Konzeptualisierung des einfachen Schlagrhythmus als einen Übergang untersucht, bei dem das Wechseln vom Einatmen beim Ausholen zum Ausatmen beim Schlag für den Gegner nicht wahrnehmbar sein soll. Für Mitsuhashi besteht kein Unterschied zwischen diesem „Umschalten“, ob man es in Begriffen der Atmung oder der Armbewegung beschreibt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die genaue Bedeutung des Begriffs Kiri-kaeshi innerhalb des japanischen Kendo-Establishments weiterhin diskutiert wird. Obwohl er gewöhnlich als „wiederholtes Schlagen“ verstanden wird, kann er auch schlicht „Wechseln von einer Seite zur anderen“ bedeuten. In diesem zweiten Verständnis besteht der hauptsächliche Zweck des Kiri-kaeshi als Trainingsmethode darin, den Übergang von einem Schlag zum nächsten – von links nach rechts – so fließend und unmerklich wie möglich zu gestalten. Babas Lehre legt nahe, dass der beste Weg, dies im dynamischeren Rahmen des Kiri-kaeshi zu erreichen, darin besteht, den Atemübergang gänzlich aufzuheben – indem man die gesamte Übung in einem einzigen Atemzug ausführt.
xi Sanpokai Dojo, Tokyo, Eto Sensei.
xii Morita Monjuro, Koshi to Tanden de Okonau Kendo, S. 66.
xiii Takano Sasaburo, Kendo, S. 90 (A composed and undistracted mind).
xiv Enomoto Shoji, Universität Nanzan, Ki wo takameru dake da wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Nicht nur eine Steigerung von Ki – die unerwarteten Effekte von Kiai), in: Kendo Monthly, März 2000, S. 40.
Die Rolle der Atemkontrolle im Kendo (V)
Erschienen in : Kendo World Magazine 2.1 2003
Autor: Steven Harwood
Übersetzung: Stefan Alpers
Veröffentlicht mit freundlicher Erlaubnis des Kendo World Magazine
In dieser Ausgabe möchte ich die Übungsformen Kiri-kaeshi und Kakari-geiko im Zusammenhang mit der Atemkontrolle betrachten – und insbesondere verfolgen, was mit dem grundlegenden Atmungsschema, das im Kontext der einfachen Schlagübungen (Suburi) erarbeitet wurde, in diesen weit dynamischeren Trainingsmethoden geschieht.
Kiri-kaeshi
Kiri-kaeshi – auch als Uchi-kaeshi bekannt – wurde als Bestandteil der modernen Uchikomi-geiko-Trainingsmethode entwickelt,i die jene Übungsformen umfasst, bei denen Schläge auf vorgegebene oder vom Partner freigegebene Ziele ausgeführt werden, einschließlich Kakari-geiko. Kiri-kaeshi gilt als unverzichtbares Trainingselement für Anfänger wie für fortgeschrittene Übende, wird heute jedoch häufig lediglich als Kombination aus geraden Men-Schlägen und wiederholten Schlägen auf die linke und rechte Seite des Men (Sayu-Men) beschrieben – ohne dass Atemkontrolle Erwähnung findet.ii Dabei reicht der Nutzen von Uchikomi-geiko weit über die rein körperliche Technikausführung hinaus. Die Hokushin-Ittō-ryūiii nennt folgende zehn Vorzüge, die durch Uchikomi-geiko ausgebildet werden:iv
- Geschwindigkeit und Intensität der Schläge nehmen zu.
- Die Stärke der Schläge steigt.
- Die Atmung wird kontrollierter und gleichmäßiger.
- Die Armbewegungen werden freier.
- Der gesamte Körper wird entspannter und flexibler.
- Die Fähigkeit zur Handhabung des Schwertes verbessert sich.
- Der Unterbauch wird stabiler, was in einer guten Körperhaltung resultiert.
- Man beginnt, Schlaggelegenheiten zu erkennen.
- Das Verständnis für Ma-ai – die korrekte Schlagdistanz – wird geschärft.
- Der Schwertgriff wird leichter, die Aktionen schärfer.
In dieser Liste sind es die Punkte 3 und 7, die unmittelbar mit dem bisher untersuchten Thema der Atemkontrolle in Verbindung stehen. Mitsuhashi Shuzo kommentiert dazu:
„Uchi-kaeshi muss mit Ki-ken-tai no Itchi ausgeführt werden. Entscheidend ist daher, es mit ganzer Seele zu vollziehen; die Muskeln zu entspannen, indem man den Unterbauch anspannt; sich aus den Hüften heraus zu bewegen; Körperbewegung und Schlagaktion zu synchronisieren – und das alles rhythmisch.“v
Auch hier erwähnt Mitsuhashi Atemkontrolle beim Kiri-kaeshi nicht ausdrücklich – doch die Praxis, den Unterbauch anzuspannen und dadurch den Oberkörper zu entspannen, den Unterkörper zum Bewegungszentrum zu machen, sind allesamt wesentliche Elemente für das Schlagen mit Ki-ken-tai no Itchi (der Einheit von Geist, Schwert und Körper) und stehen in engem Zusammenhang mit der Zwerchfellatmung, die wir bereits untersucht haben.
Darüber hinaus gibt es Stimmen, die im Kiri-kaeshi ein ausdrückliches Ziel korrekter Atemschulung sehen. Ogawa Chutaro schreibt:
„Was ich in erster Linie lehre, ist Atemkontrolle … und der beste Weg, sie zu unterweisen, ist durch Kiri-kaeshi und Kakari-geiko. Man sollte nicht versuchen, mit großer Fertigkeit zu treffen – man soll einfach große Schnitte mit dem ganzen Körper machen. Ehe man es merkt, wird sich die Atmung von selbst verbessern.“vi
Ogawa lehrt, dass man im geschützten Rahmen des Kiri-kaeshi – der Gegenüber schlägt nicht zurück – die Gelegenheit hat, Techniken grundlagentreu zu üben, und dass dies eine Weise ist, Atemkontrolle zu entwickeln. Diese Vorstellung, dass Atmung und körperliche Bewegung untrennbar verbunden sind, erinnert stark an Mitsuhashis Konzeptualisierung des Suburi (siehe letzte Ausgabe). Das beim Kiri-kaeshi gelehrte Atmungsmuster scheint jedoch anders zu sein, wie Baba deutlich macht:
„Beim Kiri-kaeshi sollte man nicht viele Atemzüge machen. Man soll es in einem einzigen Atemzug absolvieren und so die Ausdauer steigern. Es ist hart – aber man muss es durchhalten.“vii
Baba belehrt uns also, beim Kiri-kaeshi nicht bei jedem Ausholen einzuatmen, sondern die gesamte Übung in einem Atemzug zu vollenden. Das dabei gelehrte Atmungsmuster lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:
- Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und tief einatmen.
- Diesen Atem in den Unterbauch hinunterdrücken.
- Mit dem Ki-ai „Yah!“ (Kakegoe) vorrücken und Men schlagen, ohne erneut einzuatmen.
Alternativ – als Variante zu den Schritten 1 bis 3:
- Chūdan no Kamae einnehmen.
- Mit dem Ki-ai „Yah!“ vorrücken.
- Beim Ausholen einatmen und Men schlagen.
- Vom Tai-atari aus vier Sayu-Men vorwärts und fünf rückwärts schlagen, ohne einzuatmen.
- Wieder Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und, ohne einzuatmen, erneut Men schlagen.
- Im Tai-atari kurz einatmen.
- Vom Tai-atari aus vier Sayu-Men vorwärts und fünf rückwärts schlagen, ohne einzuatmen.
- Wieder Chūdan no Kamae in Tō-Ma-ai einnehmen und, ohne einzuatmen, den abschließenden Men schlagen.
Obwohl man den abschließenden Men idealerweise ohne vorheriges Einatmen ausführen sollte, da dieser Schlag besondere Energie erfordert, empfehlen einige Lehrer, lieber vorher einzuatmen, als die Qualität des Schlages zu gefährden. In jedem Fall gerät man beim Kiri-kaeshi rasch außer Atem, da bei jedem Schlag Ki-ai „Men!“ gemacht – und damit ein wenig ausgeatmet – werden sollte. Sumi Masatake (Kyoshi 8. Dan) von der Universität Fukuoka legt großen Wert darauf, den durch diesen Atemdruck entstehenden Schwierigkeiten standzuhalten:
„Ich muss betonen, dass der Wert des Kiri-kaeshi als Trainingsmethode darin liegt, die Fähigkeit zu entwickeln, auch dann noch einen weiteren Schlag herauszuholen – und dann noch einen –, wenn man sich bereits außer Atem fühlt.“viii
Darin lässt sich, so meine ich, eine Widerspiegelung der Lehre der Hokushin-Ittō-ryū über die Vorzüge des Uchikomi-geiko im modernen Kendo erkennen.
Wenn das Atmungsmuster beim Kiri-kaeshi also von jenem des einfachen Suburi abweicht – insofern, als man der Versuchung einzuatmen so lange wie möglich widersteht, während man Mehrfachschläge ausführt –, stellt sich die Frage: Warum? Im Folgenden möchte ich genauer betrachten, worauf diese Atemmethode abzielt.
Baba lehrt, dass es beim Kiri-kaeshi, da es die Wiederholung von Mehrfachtechniken erfordert, wesentlich ist zu üben, nicht außer Atem zu kommen:
„Im Kiri-kaeshi muss man den Gegenüber vom Tai-atari aus schonungslos verfolgen. Kiri-kaeshi kann daher als eine Methode betrachtet werden, zu lernen, wie man den Körper beim Ausführen von Renzoku-waza (Mehrfachtechniken) einsetzt … Es gibt Menschen, die nur einen einzigen Schlag ausführen können – ihr eigentliches Problem ist vielleicht, dass sie außer Atem geraten.“ix
Obwohl Baba hier die Bedeutung des körperlichen Wechsels von links nach rechts, von einem Hieb zum nächsten, hervorhebt, stellt er fest, dass es die Atemkontrolle ist, die diesen Wechsel fließend macht.x Wie wir in der letzten Ausgabe gesehen haben, wird eine einzelne Technik durch das Schema Einatmen – Ausatmen – Anhalten gegliedert. Würde man in der Mitte einer Technik einatmen, käme diese gewissermaßen zum Erliegen; man verlöre den Schwung und wechselte vom wirksamen Zustand des Jitsu in den kraftlosen Zustand des Kyo. Die Aufrechterhaltung von Schwung und Atemkontrolle sind daher untrennbar verbunden – und beim Ausführen einer Technik, die mehrere Schläge umfasst, ist es wesentlich, der Versuchung einzuatmen zu widerstehen und die Technik in einem einzigen Atemzug abzuschließen.
Ein weiterer physiologischer Aspekt des Kiri-kaeshi-in-einem-Atemzug betrifft die Anforderung, die Übung auf gleichbleibender Höhe auszuführen, ohne auf und ab zu ruckeln. Wie ich später noch ausführen werde, neigt der Körper dazu, sich beim Einatmen aufzurichten und sich beim Ausatmen zu senken. Kommt diese atembedingte Tendenz zu dem unvermeidlichen Heben und Senken der Arme beim Schlagen hinzu, kann der Vorwärtsimpuls der Technik leicht unterbrochen werden – und vom Gegner erkannt werden. Daher ist es am besten, Kiri-kaeshi in einem einzigen Atemzug durchzuführen. Natürlich gibt es dabei Grenzen. Mein eigener Lehrer verdeutlichte den Wert dieser Selbstschulung jedoch mit einem einprägsamen Wortspiel: Wenn man der Versuchung widerstehe, in der Mitte von Kiri-kaeshi oder Kakari-geiko einzuatmen – so hart es auch sei –, werde man am Ende einen neuen Atem in sich geboren fühlen: Ikioi – eine Verdoppelung von Vitalität und Schwung.xi Eine ähnliche Logik findet sich in der Lehre der Ittō-ryū über Sutemi und Zanshin: Wer sich rückhaltlos in eine Technik wirft, ohne etwas in Reserve zu halten, dem – so behauptet die Ittō-ryū – wächst ein neues Bewusstsein, das ihn befähigt, mit allem fertig zu werden, was nach dem Angriff folgt. Anstatt das Bewusstsein zurückzuhalten, bleibt es von selbst zurück: Zanshin. Die japanischen Begriffe, die ich hier verwende, sind dabei wesentlich: Ikioi (Vitalität/Schwung) und Zanshin (Bewusstsein/Selbstbeherrschung) vereinen jeweils physiologische und psychologische Aspekte in sich. Wer also rückhaltlos schlägt, ohne Bedenken oder Atem in Reserve zu halten, wird nicht nur eine körperliche Verbesserung seines Kendo erfahren, sondern auch einen psychologischen Wandel.
Es gibt Stimmen, die Atemkontrolle in diesen grundlegenden Übungsformen zu etwas erheben, das Meditation oder Yoga vergleichbar ist – Praktiken, die ebenfalls auf einen Wandel des psychologischen Zustands abzielen.xii Kendo-Größen wie Takano Sasaburo lehrten, dass ein bestimmter, konzentrierter psychologischer Zustand nötig sei, um Kiri-kaeshi wirklich korrekt auszuführen.xiii Und es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der Einsatz von Kiai – der als Teil der Atemkontrolle in der Kendo-Methodik angesehen werden kann – während des Kiri-kaeshi erheblich zu jenem psychologischen Zustand beiträgt, den Takano beschrieben hat.xiv
i Kendo Jiten, S. 30.
ii Japanese-English Dictionary of Kendo.
iii Ein Zweig der Ittō-ryū – ein klassisches Schwertsystem, das bei der Entstehung des modernen Kendo von großem Einfluss war.
iv Uchikomi no Jutoku, in: Japanese-English Dictionary of Kendo.
v Mitsuhashi Shuzo, Fudōchi (Unmoveable Mind – The teachings of Mitsuhashi Shuzo), S. 367–368.
vi Ogawa Chutaro, Kendō Kōwa (Kendo Lectures) (Übersetzung von Steven Harwood). Anmerkung: Der kürzlich verstorbene Ogawa Hanshi (9. Dan) war nicht nur für sein Kendo bekannt – geprägt durch die Lehre legendärer Vorkriegsmeister und lebenslange intensive Übung –, sondern auch für seine tiefe Verbundenheit mit dem Zen-Buddhismus und der Jiki-Shinkage-ryū, einer klassischen Schwertkunstform, die Atemkontrolle besonders betont. Es ist daher kaum verwunderlich, dass er der Atemkontrolle im modernen Kendo besonderes Gewicht beimisst.
vii Baba Kinji, Kendo – Dentō no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood), S. 70.
viii Sumi Masatake, Nendai Betsu Keiko Hō – Michi no Kaori (Übersetzung von Steven Harwood), S. 86–87.
ix Baba Kinji, Kendo – Dentō no Gijutsu (Übersetzung von Steven Harwood), S. 70.
x In der letzten Ausgabe haben wir Mitsuhashis Konzeptualisierung des einfachen Schlagrhythmus als einen Übergang untersucht, bei dem das Wechseln vom Einatmen beim Ausholen zum Ausatmen beim Schlag für den Gegner nicht wahrnehmbar sein soll. Für Mitsuhashi besteht kein Unterschied zwischen diesem „Umschalten“, ob man es in Begriffen der Atmung oder der Armbewegung beschreibt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die genaue Bedeutung des Begriffs Kiri-kaeshi innerhalb des japanischen Kendo-Establishments weiterhin diskutiert wird. Obwohl er gewöhnlich als „wiederholtes Schlagen“ verstanden wird, kann er auch schlicht „Wechseln von einer Seite zur anderen“ bedeuten. In diesem zweiten Verständnis besteht der hauptsächliche Zweck des Kiri-kaeshi als Trainingsmethode darin, den Übergang von einem Schlag zum nächsten – von links nach rechts – so fließend und unmerklich wie möglich zu gestalten. Babas Lehre legt nahe, dass der beste Weg, dies im dynamischeren Rahmen des Kiri-kaeshi zu erreichen, darin besteht, den Atemübergang gänzlich aufzuheben – indem man die gesamte Übung in einem einzigen Atemzug ausführt.
xi Sanpokai Dojo, Tokyo, Eto Sensei.
xii Morita Monjuro, Koshi to Tanden de Okonau Kendo, S. 66.
xiii Takano Sasaburo, Kendo, S. 90 (A composed and undistracted mind).
xiv Enomoto Shoji, Universität Nanzan, Ki wo takameru dake da wa nai kakegoe ga ataeru igai na koka (Nicht nur eine Steigerung von Ki – die unerwarteten Effekte von Kiai), in: Kendo Monthly, März 2000, S. 40.